Der Labrador

Erscheinungsbild

Der Labrador ist ein kräftig gebauter, mittelgroßer Hund mit breitem Kopf und deutlichem Stop. Ein  rassetypisches Merkmal stellt die "Otterrute" dar: sehr dick am Ansatz, sich allmählich zur Rutenspitze hin verjüngend, rundherum mit kurzem dickem Fell bedeckt. Auch das stockhaarige Haarkleid zeigt ein für diese Rasse typisches Erscheinungsbild: kurz, dicht, hart, nicht wellig, mit guter Unterwolle. Die ideale Schulterhöhe beträgt für Rüden ca. 56 - 57 cm, für Hündinnen ca. 54 - 56 cm. Der Labrador wird in den Farben Schwarz, Gelb und Braun gezüchtet. In einem Wurf können alle drei Farben vorkommen.
Der immer mehr beliebte "Field-Trial-Labrador" zeigt, da er vornehmlich für die Arbeit gezüchtet wird, ein etwas anderes Erscheinungsbild. Dieser Labradortyp ist leichter gebaut, besitzt einen schmaleren Kopf mit meist langem Fang und wenig Stop. Er hat weniger Brusttiefe und ist häufig im Rücken länger.

 

Besonderheiten einzelner Schläge und Rassen

Auch wenn es in der einschlägigen Literatur nicht immer klar zum Ausdruck kommt: Insbesondere die Labrador, aber auch die Golden Retriever werden im Ursprungsland England seit diversen Jahrzehnten in zwei Schlägen gezüchtet, die sich deutlich unterscheiden und dort selten gekreuzt werden - zum einen gibt es Arbeits- oder "Field Trial"-Linien und zum anderen Ausstellungs- oder Showlinien.

Wie bereits erwähnt wurde, sind Hunde aus reinen Arbeitslinien grundsätzlich leichter gebaut und beweglicher, häufig sind sie stärker auf ihren Führer bezogen und an Fremdpersonen weniger interessiert. Darüber hinaus sind sie optisch sehr gut lenkbar/beeindruckbar und besitzen meist viel "style" und "will to please" (Merkmalkomplexe, die v. a. die Art zu arbeiten beschreiben und die man einfach "in natura" erlebt haben muss, um sie zu erkennen).

Das Wesen

Der Labrador ist ein aktiver und arbeitsfreudiger Hund. Er liebt Menschen, besonders Kinder. Untypisch und laut Standard unerwünschte Eigenschaftern sind Wach- und Schutztrieb sowie Schärfe. Wer einen scharfen, wachsamen Hund sucht, wäre von einem typischen Labrador enttäuscht. Der Labrador möchte seinem Besitzer gefallen. Die Engländer nennen diese Eigenschaft "will to please". Diese, auch im Rassestandard geforderte Eigenschaft zeichnet vor allem die "Field-Trial-Labradors" aus und ist in der Regel mit einem sensibleren Wesen verbunden.


Ausbildung

Seine vielgepriesene Leichtführigkeit bedeutet nicht, dass er sich von selbst erzieht. Der Tatsache, dass der Labrador zu einem großen kräftigen Hund heranwächst, sollte man von Anfang an Rechnung tragen. Er ist psychisch belastbar, benötigt aber meist keinen harten Ausbildungsdrill.

Geschichte der Rasse

Die Vorfahren unseres heutigen Labradors hatten ihren Ursprung nicht - wie vom Namen her vermutet werden könnte - auf der gleichnamigen Halbinsel Kanadas, sondern in Neufundland. Es wird angenommen, dass der St.-John's-Hund sein Urahn ist. Die ersten wirklich gezielten Zuchtversuche mit Nachkommen dieser St.-John's-Hunde fanden in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in England und Schottland statt. Um 1899 soll in einem schwarzen Wurf erstmals ein gelber Welpe geworfen worden sein. Gelbe Welpen galten zunächst als untypisch und wurden meist getötet. In späteren Jahren fand sowohl der gelbe als auch der braune (chocolate) Labrador seine Liebhaber.

Der Labrador ist von Haus aus ein Jagdhund. In England wird er vorwiegend für Arbeiten nach dem Schuss, v. a. auf Flugwild, eingesetzt. Als Jagdhund zeichnen den Labrador vor allem seine enorme Wasserfreudigkeit, seine Führigkeit, seine gute Nase, seine Ausdauer und sein ausgeprägter Apportiertrieb aus.

Der Labrador eignet sich darüber hinaus für eine Reihe anderer Aufgaben. So zeigt er sehr gute Leistungen als Blindenführhund. Auch als Rettungshund bei Katastrophen wie Erdbeben, als Lawinensuchhund und nicht zuletzt als Spürhund bei Polizei und Zoll findet er Verwendung.

Obwohl als "Gebrauchshund" gezüchtet, führt heute ein großer Teil der Labradore das Leben eines reinen Familienhundes. Tatsächlich besitzt er viele Eigenschaften, die ihn hierfür geradezu prädestinieren.  Trotzdem sollten Labradorbesitzer niemals vergessen, dass ihr Hund für ein aktives Leben voller Aufgaben gezüchtet worden ist.

Derjenige, der all dieses nicht möchte, trotzdem aber einen Labrador kauft, sollte seinem Hund wenigstens während des täglichen Spazierganges einige, möglichst wechselnde Apportieraufgaben stellen.

Ein Labrador, der sein Dasein ausschließlich im Vorgarten fristet oder nur zu Prestige- oder  Dekorationszwecken angeschafft wurde, ist ein trauriger Labrador - und eben ein armer Hund ...

Anforderungen an den zukünftigen Labradorbesitzer

Der Labrador eignet sich für aktive Menschen, die weite Spaziergänge bei jeglichem Wetter nicht scheuen; die den Labrador als richtiges Familienmitglied ansehen und bereit sind, die Zeit und Mühe zu investieren, die notwendig ist, um ihm ein rassegerechtes Leben zu ermöglichen. Nur dann kann er all seine guten Eigenschaften zeigen. Er eignet sich keinesfalls für ausschließliche Zwingerhaltung ohne jegliche Ansprache. Natürlich kann er auch mal ein paar Stunden alleine bleiben. Am liebsten möchte er jedoch mit seinen Bezugspersonen zusammen sein.

Die nichtjagdliche Retrieverarbeit & Die Dummyarbeit

Retriever werden häufig nicht ausschließlich ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend als Jagdhund zum Apportieren von Flugwild eingesetzt. Ihre leichte Abrichtbarkeit und die Menschenfreundlichkeit bedingen darüber hinaus, dass sie heute viele Einsatzbereiche abdecken, die über den ursprünglichen Verwendungszweck hinausgehen. Sie finden daher auch Verwendung als:

Blindenführhund
Behindertenbegleithund
Rettungshund
Drogensuchhund
als Sportkamerad, z. B. für Agility oder einfach als lieber Familienhund

Dummyarbeit

Die ausgeprägte Apportierleidenschaft ermöglicht zudem eine artgemäße Beschäftigung von Retrievern mit Dummys (Segeltuchsäckchen), wenn keine jagdlichen Arbeiten anstehen. Auch im DRC und RCS wird die Dummyarbeit mittlerweile als eigenständige Sparte der Hundearbeit mit Prüfungen verschiedensten Schwierigkeitsgrades (Anfänger, Fortgeschrittene, Sieger) betrieben. Die Spannweite reicht von der Dummyprüfung für Anfänger über Working Tests der drei unterschiedlichen Niveaus.  Darüber hinaus wird auch alljährlich eine Europameisterschaft (International Working Test) ausgetragen.

Die Aufgabenstellung geht dabei häufig von Situationen aus, wie sie z. B. unter den Bedingungen englischer Gutsjagden entstehen. Damit werden hier schwerpunktmäßig ganz klassische Retriever-Arbeitsweisen wie Einweisen auf nicht sichtig gefallene Dummys (blinds) oder Merken von Fallstellen sichtig geworfener Dummys (marks) und stilvolles, freudiges Bringen abgefragt. Auch der Stellenwert von ausgezeichneter Lenkbarkeit und aufmerksam beobachtender Standruhe ohne voreiliges Einspringen oder störendes Lautgeben (steadiness) ist bei der Dummyarbeit sehr hoch angesiedelt. Insbesondere beim  Fortgeschrittenen- und Siegerniveau können die Aufgaben in anspruchsvollem Terrain (Land und Wasser) über erhebliche Distanzen und Geländewechsel gehen.

Die Dummyarbeit stellt somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt typischer Arbeitseigenschaften unserer Apportierspezialisten dar.

(Quelle RCD)